XBOX360Reviews - Resident Evil 6
Zombie-Express nach Mainstream/City

Resident Evil 6 - Zombie-Express nach Mainstream/City
12.10.12 16:14 Autor: marcus.b Mit Resident Evil 5 hat Capcom sich bereits etwas abseits des traditionellen Horror-Shooter-Genres bewegt und seine Zombie-Apocalypse mit einer kräftigen Prise Action versehn sowie das Ganze obendrein ins sonnenreiche Afrika verlegt. Macht Resident Evil 6 dort weiter wo sein Vorgänger aufgehört hat oder besinnt man sich wieder seiner alten Stärken?
Das brandneue Resident Evil startet nicht wie vielleicht erwartet, mit nur einer Kampagne. Nein, beim aktuellen Spiel darf man sich als Spieler in insgesamt vier Kampagnen stürzen, wobei die vierte jedoch erst nach dem absolvieren der drei (Haupt) Koop-Kampagnen (Online, Offline oder Single+KI), welche miteinander Story-technisch verwoben sind, freigeschaltet wird. Der Spielzeit-Counter hat bei mir, nach dem erfolgreichen Beenden aller Einsätze, eine satte Zahl von gut über 30 Stunden ausgespuckt. Da sich die einzelnen Kampagnen zeitlich nicht viel nehmen, also knapp acht Stunden pro Kampagne.

Bei der Story an sich gibt es keine große Überraschung. Mal wieder wurde ein Virus (aktuell der C-Virus) freigesetzt, das Menschen in Zombies und andere Mutationen verwandelt.
Natürlich sitzt wie gehabt das Industrieunternehmen Umbrella Corporation bzw. jetzt Neo-Umbrella mit im Boot und zieht im Hintergrund die Fäden. Soweit also keine besonderen Überraschungen.


Was den Handlungsstrang betrifft, hat sich Capcom jedoch was besonderes einfallen lassen. So kreuzen sich die Wege der einzelnen Kampagnen - und somit auch die der Protagonisten - im Spielverlauf gelegentlich miteinander. Was mitunter das ein oder andere Aha-Erlebnis mit sich bringt.

Das Abenteuer läst sich mit den Protagonisten-Paaren Leon S. Kennedy und Helena Harper, Chris Redfield und Piers Nivans, Jake Muller und Sherry Birking sowie in der freischaltbaren Solo-Mission mit Ada Wong bestreiten. Man kann sowohl den männlichen als auch den weiblichen Part übernehmen.
Erstere Partie, mit dem aus älteren Resident Evil-Teilen bereits bekannten Charakter Leon, dürfte den traditionellen Fans des Franchises wohl am ehesten zusagen, wenn auch nur bedingt. Obwohl das Pärchen durch U-Bahnschächte, Katakomben und Friedhöfe schleicht und den düsteren Part des Spiels übernimmt, bleibt der Gruselfaktor etwas außen vor. Was vor allem den zahlreichen Zwischensequenzen sowie den ständigen Quicktime-Events geschuldet ist. Hin und wieder mag eine nette Einlage ja angebracht sein, aber in diesem Fall ist es einfach zu viel des Guten. Was sich leider auch durch alle Kampagnen zieht.


Der Ausflug mit Chris und Piers setzt sich hingegen am deutlichsten vom ureigenen Spielprinzip der Serie ab. Statt schauriger Gruseleinlagen, fährt Capcom in dieser Kampagne knallhart die Action-Schiene und präsentiert einem im wesentlichen nur einen 08/15 Third-Person-Shooter.
Der Einsatz von Jake und Sherry jagt dem traditionellen Grusel-Shooter-Fan zwar ebenfalls keine Schauer über den Rücken, kann aber immerhin mit einem würdigen und gut inszenierten Bossgegner punkten. Die Ada Wong Kampagne hätte da schon mehr Potenzial vorzuweisen, da man dort gänzlich allein unterwegs ist. Aber außer ein paar Stealth-Einlagen und einem kürzen Rätsel-Ausflug der uns in die Katakomben einer Kirche führt, besinnt man sich auch dort nicht seinen Wurzeln.
Irgendwie scheint sich Capcom bei Resident Evil 6 wahrlich schwer getan zu haben, mal einen Gang runter zuschalten und seine Helden ohne große Blockbuster-Action einfach nur das fürchten zu lehren.

Was das Gameplay anbelangt, hat sich Capcom endlich von den Feature verabschiedet, dass sich Spieler beim Benutzen der Waffe nicht fortbewegen
können. Somit steuert sich nun alles etwas flüssiger, was dem Spielspaß ungemein entgegenkommt und weniger Frustmomente erzeugt. Was aber nicht heißen soll, dass man sich nun kinderleicht von einem Einsatz zum nächsten schnetzeln kann. Der Schwierigkeitsgrad ist bereits auf Normal kein Ringelpiez mit Anfassen .


Zu den weiteren Neuerungen zählt zudem ein Wegfindungssystem, das bei einigen Spielern sofort Dead Space ins Gedächtnis rufen wird. Anklicken, Weg ausleuchten lassen und vorwärts. Der Nahkampf wurde ebenfalls überarbeitet, was den Protagonisten nun spezielle Moves ausführen und Gegner, wie im zuvor bereits erwähnten Dead Space, unter anderem auch das Licht austrampeln lässt. Auf nähere Details verzichte ich an dieser Stelle besser.

Ein neues System zum Sammeln von Fähigkeitspunkten hat man dem Franchise ebenfalls spendiert. Somit purzeln einem nicht nur Munition, Heilkräuter und Co beim ausschalten von Gegnern bzw. dem zerstören von Kisten entgegen. Nun darf zusätzlich auch Jagd auf genannte Fähigkeitspunkte gemacht werden. Mit diesen kann man sich beispielsweise mehr Munition, Durchschlagskraft oder Nahkampf-Fertigkeiten erkaufen. Leider scheint hier die Balance noch nicht wirklich ausgereift zu sein. Eigentlich sollte jenes Feature doch so aufgestellt sein, dass man als Spieler schon beim ersten Durchgang aller Kampagnen, bereits einige Fähigkeiten komplett ausbauen kann. Aktuell sieht es jedoch so aus, als wäre dies nur nach einem zweiten oder dritten Durchspielen erreichbar.


Ebenfalls unausgereift präsentieren sich die Kameraführung sowie das Speicher- und Deckungssystem. Ersteres wird vor allem bei hartnäckigen Bosskämpfen zu einem echten Problem, da bei diesem gescripteten Kurzeinlagen vordefinierte Kameraperspektiven zum Einsatz kommen, die zum Beispiel regelmäßig in die falsche Richtung zeigen. Was das Speichersystem anbelangt, welches nur automatisch agiert, sollte man auf jeden Fall viel Zeit mitbringen. Nur wer den entscheidenden Speicherpunkt erreicht, welcher nicht selten 30 Minuten entfernt liegt, muss beim nächsten Einschalten seiner Konsole nicht nochmals alles davor liegende absolvieren. Zum Deckungs-Feature bleibt nur zu sagen, lasst es einfach bleiben. Die Ausführung ist so hakelig und umständlich, das man es nach einmaligen probieren nicht wieder einsetzen möchte.

Lässt man diese technischen Mängel mal kurz außen vor und legt seine Trauer-Taschentücher über die abermals verpasste Rückkehr zu den alten, traditionellen Grusel-Stärken beiseite, muss man objektiv gesehen schon eingestehen, dass uns Capcom mit Resident Evil 6 aber immerhin einen großartig inszenierten Action (Horror)-Blockbuster beschert hat. Und bewerten kann man letztendlich nur das, was man bekommen und nicht, was man erwartet hat.
Mit verwobenen Storysträngen, imposanten Bossgegnern, kinoreifen Zwischensequenzen und abwechslungsreichen Schauplätzen ist jedenfalls für beste Unterhaltung gesorgt. Mal abgesehen von einigen Rail-Shooter und Fahrzeug-Einlagen, muss auch die Grafikpracht keine großen Abstriche machen. Nicht zu vergessen das Koop-Erlebnis, welches hier in jeder erdenklichen Art ausgelebt werden kann. Positiv sollte man auch die deutsche Synchronisation erwähnen, was heutzutage ja auch nicht allzu oft der Fall ist.