XBOX360Reviews - The Darkness II
Halte dich vom Licht fern

The Darkness II - Halte dich vom Licht fern
19.02.12 14:59 Autor: marcus.b Mit The Darkness konnte das Entwicklerteam von Starbreeze vor fast 5 Jahren einen durchaus gelungenen Erfolg verbuchen. Nun liegt uns die Fortsetzung des Horror-Shooters vor, der diesmal aber aus der Feder der Digital Extremes Studios stammt. Trotz Wechsel ein weiterer überdurchnittlicher Shooter-Spaß oder doch nur eine schlechte Kopie des Vorgängers?
Jackie Estacado, Anführer eines New Yorker Mafiaclans, trägt ein dunkles Geheimnis in sich, welches er seit geraumer Zeit zu unterdrücken weiß. Doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihm und entfesselt einen Mafiakrieg, wodurch jenes Geheimnis nicht länger im Verborgenen bleiben kann. Die Rede ist von einer übernatürlichen Kraft, der so genannten Finsternis, eine uralte Macht des Chaos. Äußerlich zeichnet sich diese Macht vor allem durch zwei Dämonenarme aus, die Jackie tödliche Kräfte verleihen. In The Darkness II ist es nun eure Aufgabe das Geheimnis hinter dem Attentat auf dem Mafia-Boss und die Motive der Finsternis zu enträtseln.

Was einem beim Spieleinstieg sofort ins Auge sticht, egal ob man sich nun für das „was bisher geschah“ Intro oder den schnellen Eintritt entscheidet, ist der Grafikstil des Shooters. Was sich in den ersten Sekunden als stark Augenkrebs gefährdend darbietet, entpuppt sich beim genaueren hinschauen als klassischer Comic-Zeichenstil. Kein Wunder, basiert das Spiel doch auf eine gleichnamige Comic-Serie. Kombiniert wurde das Ganze obendrein noch durch einige Film Noir Einflüsse. Schon etwas innovativer als ein Großteil der Spiele auf dem aktuellen Markt, aber garantiert auch nicht jedermanns Sache. Hoch polierte Grafik und detailreiche Texturen bleiben bei diesem Titel jedoch schon mal außen vor.


Auch die recht häufig anzutreffenden Zwischensequenzen, die allesamt in Ingame-Grafik eingespielt werden, bleiben dem Comic-Look treu. Diese sind zum Teil recht umfassend, können optional aber auch weggedrückt werden. Das Tutorial kommt, wie bei den meisten Spielen heutzutage, direkt in den ersten Missionen des Spiels zum Einsatz. Für meinen Geschmack wurde dies aber ein wenig überhastend umgesetzt, so dass man Anfangs das Gefühl hat, mit der Steuerung der Dämonenarme sowie dem gleichzeitigen tragen von zwei Waffen etwas überstürzt in die ersten Kämpfe geworfen zu werden. Glücklicherweise hält dies aber nur für eine relativ kurze Zeit an. Spätestens nach einer halben Stunde aktiven Gameplay, geht einem die Steuerung dann recht schnell ins Blut über.

Was mir nach diversen anderen Games in den letzten Wochen und Monaten sofort positiv aufgefallen ist, sind die wirklich angenehm kurzen Ladezeiten von The Darkness II. Auch die Speicherpunkte sind wirklich fair verteilt, was einen weiteren Pluspunkt beim Thema Spielspaß bedeutet. Womit der Punkt freies Speichern, welcher im Optionsmenü leider komplett fehlt, auch recht schmerzfrei zu verkraften ist. Obwohl The Darkness II kein Open-World-Titel ist und somit ziemlich geradlinig verläuft, kann man bei einigen Schauplätzen auch hin und wieder mal die Übersicht verlieren. Sollte dies der Fall sein, kann man so auf zwei Optionen zurückgreifen. Zum einen wäre da eine Rauchwolke, die einem auf Knopfdruck sofort den richtigen Weg weißt. Zum anderen kann man obendrein auch seinem kleinen Finsterling folgen, der zumeist vorweg läuft. Ach ja…der kleine Finsterling. Leider findet dieser im Spiel keine große Erklärung. Er ist auf einmal einfach da und entspringt kurzerhand Jackies Gedanken.


Schade, dieser kleine Fiesling hätte eigentlich schon etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Nicht nur sein eigenwilliger Wortwitz und das Auftreten mit einem britischen Flaggen-Oberteil sowie einem Katzenhut sprechen alleine schon für sich.
Des weiteren verfügt das fiese Männchen auch noch über sehr individuelle Eigenschaften, ohne jene man ansonsten schnell aufgeschmissen wäre. So greift der Finsterling selbständig Feinde an oder lässt uns in seine Haut schlüpfen, um spezielle Bereiche zu erklimmen.Wie auch Jackie selbst, geht der Kleine bei seinen Attacken nicht gerade zimperlich vor, was einem bei einer USK 18 Einstufung aber nicht wirklich überraschen dürfte.Der Comic-Stil das Titels entschärft das Ganze aber nicht unwesentlich, wie auch einige vorgenommene Schnitte bei der deutschen
Fassung. Storytechnisch geht dabei jedoch nichts verloren, was somit also nur den reinen Hardcore-Splatterfan auf die Palme bringen dürfte.


Das sich Finsternis & Co natürlich eher zum Dunklen statt dem Licht hingezogen fühlen, heißt es somit im gesamten Spielverlauf auch, den grellen Lichtquellen stets aus dem Weg zu gehen bzw. diese möglichst schnell dem gar auszumachen. Relativ einfach umzusetzen, wenn es sich dabei um feste Lampen handelt. Anders sieht es da schon aus, wenn der Gegner grelle Leuchten mit sich herum trägt und versucht diese dann auch noch penetrant auf einem zu richten. In solchen Momenten hilft dann nur rohe Waffengewalt, da sich die Macht der Finsternis bei jeglicher Lichteinwirkung schnellstens verabschiedet. Hat jedoch die Dunkelheit Oberhand, greift man gern auf seine beiden Dämonenarme zurück, die nicht nur bestens zum wild um sich schlagen zu gebrauchen sind. Grob gesagt, sind die Tentakel für fast alles zu gebrauchen. So kann man damit unter anderem Türen oder andere Hindernisse aufbrechen, Gegenstände aufnehmen bzw. werfen und Hinrichtungen ausführen. Auch die Energieleiste unseres Protagonisten ist fest mit den Dämonenarmen verbandelt. Diese sind nämlich dafür zuständig, erlegten Gegnern die Herzen zu entreißen, was der Lebensleiste zugute kommt.

Auch The Darkness II wartet mit einem speziellen Levelsytem auf, welches einem hier in Form eines Talentbaumes begegnet. Dieser ist in verschiedene Abzweige unterteilt, mit Schwerpunkten auf unterschiedliche Gameplay-Aspekte. Dort kann man Fähigkeiten und Angriffe, Verstärkungen sowie Extras für Jackies Gesundheit und Waffen freischalten. Bezahlt werden die Upgrades mit sogenannten Essenzen, die man beim Eliminieren und dem Hinrichten von Gegnern sowie dem Aufspüren von seltenen Objekten gutgeschrieben bekommt.Obwohl im Talentbaum einige nette Spezialisierungen vorzufinden sind, fällt dieses Upgrade-Feature aber doch recht überschaubar und wenig umfangreich aus.
Auch in Sachen gegnerischer KI und deutsche Synchronisation, hat man sich anscheinend auf das Wesentliche beschränkt. So sieht die Gegnerschar nicht wirklich gut aus, wenn man diese mal eben nicht auf der dafür vorgesehenen Ideallinie überrascht. Ähnlich schaut es bei der Synchronisation für den deutschen Markt aus. Sind die Sprecher doch relativ positiv anhörbar, geht die Lippensynchro beim genaueren hinschauen in weiten Teilen völlig an der Spur vorbei.


Neben dem Singleplayer, mit einer Spielzeit von ca. 7 bis 8 Stunden, der Storytechnisch durchaus zu gefallen weiß, trifft man in den Optionen auch noch auf dem Punkt "Blutrachen". Dabei handelt es sich um einen Koop-Multiplayermodus, der mit bis zu vier Spielern gespielt werden kann. Im Großen und Ganzen ein Part, der auf speziellen Schauplätzen bzw. Arenen ausgetragen wird. Obwohl es auch kleine Storys zu den jeweiligen Einsätzen gibt, geht es eigentlich nur darum, möglichst viele Gegnerhorden auszuschalten. Dazu stehen einem dann vier unterschiedliche Charaktere zur Auswahl, die nicht in der Einzelspieler-Kampagne des Spiels anzutreffen sind. Neben dem Multiplayer-Koop gibt es zudem noch einen Offline-Modus, den man aber nur allein, leider nicht im Koop mit Freunden an der heimischen Konsole, bestreiten kann.

Fazit:
The Darkness II kann sich mit seinem Comic-Zeichenstil und den Film Noir Einflüssen schon etwas von der breiten Masse der Ego-Shooter abheben. Das dieser Stil aber jedem zusagen wird, mag ich zu bezweifeln. Die gut inszenierte Story des Titels weiß ebenfalls zu gefallen und lässt einem die Spielzeit noch kürzer vorkommen als sie letztendlich ist. Leider bleibt die dunkle Atmosphäre, welches das Spiel bei seiner Story eigentlich mitbringen sollte, etwas auf der Strecke. Somit präsentiert sich der Titel unterm Strich eher als reiner Action-Shooter mit einer abwechslungreichen Spielmechanik sowie einer satten Portion Splattereinlagen.