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PS4 Test - Metro Exodus

Die wundervolle Apokalypse
Metro ist zurück und schickt Artjom und Gefolgschaft erstmals an die Oberfläche des verstrahlten Russlands. Weitläufige Waldgebiete statt enger Tunnelsysteme - wie viel Metro steckt noch in Metro: Exodus?
01.03.19 17:56 Autor: Rufus
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Selbst weniger involvierte Gamingfans dürften in den letzten Wochen über das Spiel Metro Exodus , dem dritten Teil der Metro-Reihe gestolpert sein. Grund hierfür ist der überraschend und kurzfristige Exklusivdeal, den der Epic Games Store mit Deep Silver, dem Publisher der Metro-Reihe, eingegangen ist. Metro: Exodus ist für den PC nur noch über den Epic Game Store erhältlich und nicht mehr – wie die Monate vorher – über Steam. Das Spiel selbst rückte bei der Debatte in den Hintergrund, vielmehr wurde der Kampf der Downloadplattformen Steam und dem Epic Games Store diskutiert. Dabei sorgte schon Metro: Exodus selbst in der Fangemeinde für Aufsehen.

So auch auf der letztjährigen Gamescom. Anstatt enger, düsterer Tunnelsysteme, wie man sie aus den beiden Vorgängern Metro: Last Light und Metro 2033 kennen, fürchten und lieben gelernt hat, stand eine Gameplay-Demo zur Verfügung, die den Hauptprotagonist Artjom in einem atmosphärischen, ungewohnt hell beleuchteten Waldstück, mitten in dem postapokalyptischen Randgebiert Moskaus vorfinden ließ. Nichts zu sehen von engen, verlassenen Schienensystemen, stattdessen sorgten anfängliche Sonnenstrahlen sogar für den ein oder anderen friedlich-freundlichen Moment. Die Richtung, den Metro: Exodus, die neuste Veröffentlichung von 4A Games einschlagen will, war somit schnell klar – es geht an die Oberfläche, raus in die Welt, weg von den namensgebenden Tunnelsystemen der Moskauer Metro. Zweifel und Vorwürfe kamen auf, die Spielereihe würde ihre Ursprünge vergessen und ihre große Stärke – die beklemmend düstere Atmosphäre des Moskauer Untergrunds – aufgeben und zu einem austauschbaren Open-World-Shooter verkommen. Gleichzeitig sorgte die große Neuerung aber auch für starkes Interesse unter der Fangemeinde, denn erste Bilder der erkundbaren Landschaften waren grafisch als auch atmosphärisch sehr ansprechend gestaltet und auch die Gameplay-Demo der Gamescom sorgte vor allem in ihren düsteren Schleichpassagen durch eine grandiose Lichtstimmung für ein beeindruckend beklemmendes Ambiente. Bezüglich der Weiterführung der Geschichte sollten Fans aber aufatmen dürfen. Denn Dmitri Alexejewitsch Gluchowski, der Autor der Metro-Reihe, war erneut bei der Produktion von Metro: Exodus mit an Bord, obgleich die Spielereihe inhaltlich grundsätzlich eher eigene Wege einschlägt. Die enge Zusammenarbeit von Entwicklerstudio und Autor ist bei solch großen Projekten jedoch keinesfalls der Alltag. Vor allem die erhobene Klage des Witcher-Autors Andrej Sapkoswski sorgte dahingehend in jüngster Vergangenheit für Aufsehen. Sapkoswki forderte 14 Mio. Euro von dem Entwicklerstudio CD Projekt aufgrund des enormen Erfolgs der Rollenspiel-Serie The Witcher. Nach langem hin und her haben sich Autor und Entwickler wohl auf einen Betrag geeinigt, ein fader Beigeschmack blieb aber trotzdem. Umso erfreulicher, dass Gluchowski auch in einem anderen Medium hinter seinem Produkt steht und an dessen Entstehung maßgeblich beteiligt ist. Ist das Mitwirken des Autors bezüglich des Storytellings spürbar und wie geht Metro: Exodus mit dem neuen Gewand der Spielwelt um? Der folgende Test sorgt für Antworten.

Moskau im Kriegszustand

Die Dystopie der Vorgänger wird in Metro: Exodus weiterzählt, diesmal aber in völlig neuem Gewand. Aber erstmal alles auf Anfang. Eine atomare Katastrophe hat die Welt vollkommen verwüstet und jegliches menschliches Leben vernichtet, stattdessen ist die Erde bevölkert von missgebildeten Mutanten und Monstern, die den wenigen von der Katastrophe verschonten Menschen alles andere als friedlich gegenüberstehen. Artjom will die Hoffnung auf eine lebenswerte Welt außerhalb der Metro aber nicht aufgeben und versucht in regelmäßigen Expeditionen an der Oberfläche Hinweise auf weiteres, menschliches Leben zu finden. Da diese Expeditionen meist alles andere als ungefährlich verlaufen, kehrt Artjom mehrmals verletzt in die Untergrundbasis zurück, wo er wegen seiner Überzeugung nur Lacher und Häme erntet. Dies ändert sich jedoch, denn eines Tages fährt plötzlich ein Zug in das verstrahlte Moskau ein und Artjom und seine Frau Anna werden von den Ankömmlingen überfallen und festgehalten. Auf dem Weg zu ihrer Befreiung finden sie heraus, dass Russland durch einen Störsender von der Welt versteckt gehalten wurde, da der Krieg immer noch nicht zu Ende sei. Die Entdeckung wirft viele Fragen auf, die es fortan zu klären gilt. Mit einer alten Dampflok treten Artjom und seine Gefolgschaft eine gefährliche Reise durch das verwüstete Russland an, um herauszufinden, wer oder was für die jahrelange Lüge verantwortlich ist.

Dabei kämpft man sich nicht nur durch verschneite Waldgebiete, sondern auch durch die trockene Wüste am Kaspischen Meer oder die herbstlichen Landschaften der Taiga. Natürlich dürfen auf Artjoms Reise auch Momente unter der Erdoberfläche nicht fehlen, der Großteil der Handlung findet jedoch unter freiem Himmel statt. Was jedoch keinesfalls weniger gefährlich ist, jeder Landabschnitt ist bevölkert von dubiosen Kreaturen und feindgesinnten Überlebenden der Katastrophe. Der Einstieg in die Geschichte wirkt leider etwas gehetzt, sehr viel passiert in sehr kurzer Zeit, wodurch wenig Zeit zum Rekapitulieren der einzelnen Handlungselemente bleibt. Glücklicherweise entzerrt sich das Geschehen im weiteren Verlauf und passt sich dem allgemeinen Spieltempo an. Wie schon in den beiden Vorgängern tritt Artjom als stummer Protagonist auf, der lediglich in den Ladesequenzen kurz die bisherigen Geschehnisse und seine Gedanken zu Tage bringt. Die Entscheidung der Weiterführung der scheinbar stummen Hauptfigur führt leider dazu, dass extrem viel Potential auf der Strecke bleibt. Artjom verkommt dadurch zur reinen Spielfigur, zum flachen Protagonisten ohne jegliche Tiefe. Auch die Dialogstruktur fühlt sich vielmehr wie eine Achterbahnfahrt an, mal agiert Metro: Exodus hierbei auf durchaus hohem Niveau und schafft es, mit wenig Sätzen tolle Momente oder Geschichten zu kreieren, ein andermal verlieren sich die Dialoge in der Nichtig- und Sinnlosigkeit. Während den Zugfahrten kann sich Artjom frei durch den Zug bewegen und somit alle möglichen Begleiter antreffen, die etwas zu erzählen haben. Die große Diskrepanz zwischen handlungsrelevanten Dialogen und kurzen Momentaufnahmen wird spürbar, wie störend das empfunden wird, dürfte vom jeweiligen Spielertyp abhängen.
Von Survial-Horror bis Action-Shooter

In Sachen Gameplay gibt es zwar einige Neuerungen aufgrund der Ausweitung der Spielwelt, die grundlegenden Elemente der Vorgänger finden aber auch in Metro: Exodus ihren Platz, und das ist auch gut so. Denn gerade in den Schleichpassagen und dem langsamen Fortbewegen durch die weitestgehend toll inszenierte Spielwelt entsteht oftmals eine großartige Atmosphäre. Dabei liegt die Entscheidung bezüglich der Vorgehensweise innerhalb der einzelnen Spielabschnitte stets beim Spieler und beklemmende Situation können auch rabiat in Feuergefechten gelöst werden, auf lange Zeit erweisen sich die Stealth-Elemente jedoch als probateres Mittel der Herangehensweise. Zum einen erfordert die aggressive Spielweise größere Spielerfahrung im Shooter-Genre, da – je nach Schwierigkeitsgrad – gegnerische Truppen durchaus resistent daherkommen, zum anderen spielt der Aspekt der beschränkten Munition eine große Rolle. Die Waffenmagazine sind nur von stark begrenzter Größe und aufgesammelte Munition dürfte lediglich für die nächste Gegnerkonfrontation genügen. Dadurch wird nicht nur die Motivation auf ein ruhigeres und besonneneres Vorgehen bestärkt, Metro: Exodus unterscheidet sich aufgrund jener „Survival-Thematik“ von anderen Open-World-Shootern wie der Far Cry-Reihe, den neusten Tomb Raider Spielen oder des Metal Gear Solid-Franchise, welche zwar allesamt beeindruckende Spielwelten auf die Beine stellen, den Überlebensaspekt dabei jedoch anders behandeln. Störend ist das geringe Aufkommen der Munition keinesfalls, ganz im Gegenteil, das sparsame Handeln passt perfekt in die Grundthematik des Spiels und der dargestellten Spielwelt.

In der ganzen Spielwelt lassen sich Ressourcen finden, die an Werkbänken zu hilfreichem Inventar wie Wurfmessern oder Molotowcocktails zusammengeschraubt werden können. Doch nicht nur neue Objekte lassen sich erstellen, auch bestehendes Inventar kann verbessert, gereinigt oder bearbeitet werden. Auch lebensnotwendige Materialien wie neue Sauerstoffkapseln für die Atemmaske lassen sich aus den Ressourcen herstellen, was dem Sammeln der verstreuten Materialien eine gewisse Dringlichkeit gibt, die dabei aber nicht nervend daherkommt. Die verfügbaren Ressourcen sind in nahezu jeder Situation vorzufinden und binden sich somit angenehm in den Spielfluss ein, außerhalb sorgen die Momente der freien Erkundung für teilweise wirklich großartige Erzählungen und Geschichten innerhalb der Hauptstory. So kann es passieren, dass man zufällig ein Haus am Wegesrand betritt, um mögliche Munition oder Ressourcen zu sammeln, am bisweilen von Spinnenweben und Pflanzen überwucherten Esstisch aber noch die Skelette der damaligen Familie vorzufinden sieht, welche ihre Geschichte in selbstgeschriebenen Briefen festgehalten und im Haus verteilt hat. Solche Momente können zum Teil eine größere narrative Wirkung entfalten, als so manche Mission innerhalb der Hauptstory.

Anstatt mit klarer Richtungsangabe von Missionsabschnitt zu Missionsabschnitt geleitet zu werden, verzichtet Metro: Exodus auf eine Orientierungshilfe. Die Story soll dadurch eine natürliche Entwicklung nehmen und nicht an stringent vorgefertigten Storyabläufen festklammern, was sich den Großteil des Spiels auch als sinnvoll erachtet. Leider aber kommt es dadurch ab und an zu größeren Pausen innerhalb der Erzählung, was dem Erzählfluss merklich schadet. Zwar kann Metro: Exodus diese Erzählpausen durch die beeindruckende Spielwelt weitestgehend ausgleichen, spürbar werden diese aber trotzdem. Als enorm störend erweisen sich die enorm langen Wartezeiten, sowohl beim Laden eines Spielstandes, als auch beim Betreten des nächsten Missionsabschnitts. Vor allem beim Laden der Spielwelt kann es gut und gerne bis zu 5 Minuten Ladezeit kommen, was sowohl frustrierend, als auch von narrativen Nachteil ist, da die Geschichte so abrupt unterbrochen wird. Auch die gegnerische KI sorgt bisweilen noch für den ein oder anderen Problempunkt. Trotz Day-One-Patch lässt sich das Verhalten der KI nahezu unmöglich vorhersehen und einschätzen. Mal wird Artjom auf zwei Metern Entfernung im offenen Feld nicht erkannt, ein anderes Mal wird aus dem Nichts in einer dunkleren und unscheinbaren Situation das Feuer eröffnet. Die Wahrnehmung der KI schwankt stark innerhalb der Missionsabschnitte, was so manchem taktischen Vorgehen einen Strich durch die Rechnung macht. Hier bleibt zu hoffen, dass weitere Updates diesem Schwachpunkt entgegenwirken und die KI realistischer wirken lässt. Positive Erwähnung finden jedoch die Nebenquests, die es vielerorts vorzufinden gibt. Was in vielen Veröffentlichungen der Konkurrenz oberflächlich und eher als Beschäftigungstherapie abgehandelt wird, findet in Metro: Exodus seinen festen Bestandteil in der Geschichte. Die Nebenquests sind nämlich keinesfalls handlungsunwichtige Elemente des Spiels sondern schmücken die Hauptgeschichte mit schönen Details aus und geben dem trostlosen Szenario oftmals ein Stück Liebe und Lebendigkeit. Viele Nebenmissionen lassen sich während den Hauptmissionen wahrnehmen, wodurch es zu einer reibungslosen Einordnung in den Gesamtkontext der Geschichte kommt.

Die wunderschöne Apokalypse

Auf grafischer Ebene kann Metro: Exodus den starken ersten Eindruck der Gamescom fortführen und bisweilen sogar noch übertreffen. Der Schritt an die Oberfläche erweist sich inszenatorisch als absoluter Glücksgriff. Großartig gestaltete Landschaften mit enormer Detailverliebtheit und großer Tiefenschärfe sorgen für Begeisterung. Auch das Monster- und Gegnerdesign überzeugt in allen Belangen, lediglich die Gesichtsanimation der Charaktere fällt hierbei etwas aus der Reihe. Diese erweisen sich leider in manchen Momenten als Stimmungskiller, seien es die fehlende Mimik oder der emotionslose Umgang mit eigentlich emotionalen Geschehnissen. Grundsätzlich kann darüber aber hinweg gesehen werden, da vor allem das Erkunden der Spielwelt von Metro: Exodus die meiste Spielzeit beansprucht. Allen voran an der unglaublich stimmungsvollen Lichtsetzung dürfte man sich so schnell nicht satt sehen. Egal ob bei Tag oder bei Nacht, der Umgang mit Licht spielt eine enorm wichtige Rolle in der grafischen und atmosphärischen Inszenierung von Metro: Exodus. Feindliche Wesen lassen sich oft aufgrund ihres fein ausgearbeiteten Schattenwurfs in bedrohlichen Situationen erkennen, bewegte Lichtquellen wie Autoscheinwerfer, Taschenlampen oder frei hängende Glühbirnen schmücken das lebendige Licht- und Schattenspiel beeindruckend aus. So entstehen auf rein inszenatorischer Ebene einige Horrorpassagen, die in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen sind. Das tolle Sounddesign spielt hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle und schafft in Symbiose mit der Bildästhetik schaurig-schöne Augenblicke. Leider aber bleibt bei der Synchronisierung der Spielcharakter einiges an Potenzial auf der Strecke (um es mal höflich auszudrücken), was gelegentlich zu unangenehmen Momenten in den Storypassagen führen kann. Das ist man geradezu froh um die schweigsame Hauptfigur Artjom, welcher in den Horrormomenten glücklicherweise das Spiel für sich sprechen lässt.
Erfahre hier, wie der Titel in unserer Wertung abgeschlossen hat.

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Metro Exodus
PC
Release15.02.2019 GenreEgo-Shooter Entwickler 4A-Games Publisher Deep Silver Engine PathEngine
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